Erfahrungsberichte zum Auslandsstudium der Biogeowissenschaften

Hier finden sich die Berichte zu den Erfahrungen unserer Studierenden bei ihren Auslandsaufenthalten.

Du bist ein (ehemaliger) Biogeowissenschaften-Student, warst im Ausland und bist bereit, deine Erfahrungen teilen? Dann melde dich bei dirk.merten@uni-jena.de.

Auslandssemester an der Charles University Prague im WS 17/18

Niklas van Wickeren

Abb. 1: Wandern im Bohemian Paradise

Prag... Bei dem ersten Durchlesen der Partneruniversitäten fiel diese Stadt bei mir durch. Zu nah und bekannt. Nach intensiverer Auseinandersetzung mit den angebotenen Kursen habe ich mich letztendlich doch für meinen Auslandsaufenthalt in Tschechien entschieden und es nicht bereut. Ausschlaggebend waren die zahlreiche Kursangebote in den Geowissenschaften, der Biologie bzw. zum Teil der Chemie und Geographie auf Englisch. Damit fiel es mir relativ leicht, interessante Module herauszusuchen, die ich mir in Absprache mit Herrn Merten in Jena anrechnen lassen konnte. Nach einigem Hin und Her in den ersten Wochen in Prag- einige Module finden nicht statt, andere tauchen neu auf - habe ich mich letztendlich für 8 Module über 33 ECTS entschieden. Ich empfehle allen, einfach mal die Seiten der Charles University zu durchstöbern. Zum Teil werden Module auf Grund der hohen Anzahl an Studenten aus dem Ausland nur für sie auf Englisch angeboten. Bei diesen Modulen hatte ich das Gefühl, dass das Niveau etwas niedriger als in Deutschland ist. Insgesamt ist es aber immer von den Professoren abhängig und ich habe auch sehr gute Vorlesungen gehabt. Während meiner Zeit habe ich im Studentenwohnheim Vetrnik gewohnt. Wer keine hohen Ansprüche hat, dem ist es auf alle Fälle zu empfehlen. Die Doppelzimmer sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber es sind immer Leute aus vielen Teilen der Erde unterwegs und es ist immer etwas los. Die Preise fallen wie in ganz Prag auch eher moderat aus, obwohl die Stadt schon teurer als im Umland ist (bspw. 110 €/mtl. für das Wohnheim, 50 € Semesterticket, 1,50 € halber Liter Bier).

Das Leben in Prag hat meiner Ansicht nach alle Annehmlichkeiten einer Großstadt zu bieten. Man kann jeden Tag mit den zahlreichen Spaniern feiern gehen, es gibt viele gute und bezahlbare Bars und Restaurants, es werden großartige Theaterstücke aufgeführt, man kann an der Moldau oder durch die historische Stadt spazieren, es gibt viele Parks in der Umgebung und und und… Jeder kann etwas nach seinem Geschmack finden.

Des Weiteren liegt Prag ziemlich zentral und man kann viele Wochenendtrips unternehmen. Wir waren zum Beispiel Wandern im Bohemian Paradise und der Böhmischen Schweiz oder haben uns unter anderem Krakau, Budapest, Pilsen, Ostrava, Olmütz und Kutna Hora angeschaut.

Abb. 2: Blick auf Vyšehrad, Standpunkt 5min. von der Universität entfernt

Ein weiterer Vorteil des Semesters in Prag ist, dass das Semester von Ende September bis Mitte Februar läuft und man damit noch die Praktika in Limnologie 2 und Bio-Geo-Interaktionen 2 in Jena belegen kann sowie nach dem Semester noch Zeit für das sechswöchige Berufspraktikum vorhanden ist. Insgesamt erforderte die Bewerbung sowohl in Jena als auch in Prag keinen großen organisatorischen Aufwand. Natürlich kann ich noch viel mehr erzählen und freue mich sehr, wenn ich noch weitere Fragen beantworten kann. Dafür einfach über Herrn Merten Kontakt aufnehmen.

Kontakt: via Dirk.Merten@uni-jena.de

 

 

Auslandssemester an der Oulun Ylioposto (University of Oulu) in Finnland im 5. Semester (2017)

Clara Gansert

Dass ich ein Semester im Ausland verbringen wollte, stand für mich eigentlich schon recht frühzeitig fest. Dennoch habe ich bis zum letzten Moment mit der Bewerbung gewartet, vielleicht nicht der beste Plan, weil das dann schon ein bisschen stressig werden kann, aber ich bin froh es dennoch geschafft zu haben. Die Entscheidung nach Finnland zu gehen war vor Allem aufgrund dieser Planungsknappheit. Eigentlich wollte ich immer nach Südamerika, aber da das nicht so entspannt mir Erasmus geht und meine Spanischkenntnisse gleich null sind, hätte ich mich da deutlich früher drum kümmern müssen. Finnland erschien mir dennoch als gute Alternative, da dort auch noch nie gewesen bin und insgesamt wenig über das Land wusste (Im Gegensatz wie zu den sonst bei Erasmus sehr beliebten Ziele wie Spanien oder Portugal).
Mein Auslandsaufenthalt lief allerdings nicht über die chem. geowissenschaftliche Fakultät, sondern über die biologisch pharmazeutische ab. Bis auf den ein oder anderen extra Weg zum Beutenbergcampus, war das aber auch gar kein Problem. Die Kommunikation, sowohl mit den Verantwortlichen in Jena, als auch in Oulu (über die Faculty of technology, da meine meisten Vorlesungen zu dem Studiengang „environmental Engineering“ gehört haben) war immer sehr unkompliziert und ich konnte mit allen Fragen immer zu Allen kommen. Auch sonst ist die Uni Oulu super organisiert und sobald man Benutzername und Passwort (per SMS) zugesendet kriegt kann man sich auch super leicht für die Kurse anmelden. Es ist nur tatsächlich sehr empfehlenswert sich im Vornherein deutlich mehr Kurse als 30 ECTS raus zu suchen, da es eigentlich immer zu irgendwelchen Überschneidungen kommen kann oder manche Kurse dann irgendwie doch nicht existieren (falls es dem bezüglich allerdings Probleme gibt kann man den Professoren immer eine Mail schreiben, ich habe immer eine nette, schnelle und direkte Antwort bekommen)

Da ich auch für die Bewerbung für das Studentenwohnheim (PSOAS) zu spät dran war (falls man im Zentrum der Partys sein will sollte man sich also frühzeitig bewerben), musste ich mir anderweitig eine Wohnung suchen. Praktischerweise sendet einem die Uni Oulu gleich einen Link zu einer Facebook Wohnungsmarkt Gruppe. Außerdem haben mir Couchsurfer hilfreiche Tipps gegeben, wo ich eine Unterkunft finden kann. Letztendlich habe ich durch die Gruppen dann auch mit einer Italienerin eine hübsche kleine Wohnung für die Zeit gefunden. Nicht weit weg von der Uni also perfekt.

Sehr erwähnenswert ist die Universität selbst. Es gibt überall in der Uni verteilt Möglichkeiten sich hinzusetzten und zu arbeiten. Mein definitiver Lieblingsplatz: „Tellus innovation area“, hier gibt es neben einem Café (Kaffee schon ab 20ct!) mit Couchen, einem Lernraum (mit vielen Whiteboards und Gruppentischen), einigen Aquariums (so kleine schalldichte Glasräume im Raum) und der buisness kitchen (ein Raum mit Couchen, Tischen, und einer Bühne für Veranstaltungen), sowie anderen Räumen die man mieten kann, das Nest. Das Nest ist ein abgetrennter Bereich in dem man seine Schuhe ausziehen muss und keine Gespräche erlaubt sind – dafür ist er voller großen Sitzsäcken und man kann dort immer, wenn man es gerade mal braucht ein kleines Schläfchen einlegen. Mit der 24/7 card (diese muss man am Anfang des Semesters bestellen) kommt man Tag und Nacht in die Uni.
Auch die Lehrmethoden in Oulu sind etwas anders, das Semester teilt sich in 2 Periods auf, d.h. man hat weniger unterschiedliche Fächer auf einmal dafür eine komplette Stundenplanänderung und eine 2. Klausurenphase der Mitte des Semesters. Auch gibt es (natürlich kommt es immer auf das Modul an) deutlich mehr Gruppenarbeiten und unterm Semester ist auch meistens (zum mindestens nach meinem Enpfinden) mehr zu tun als in Jena. Für mich war das allerdings sehr interessant, da ich von dem „Engineering“ part nicht wirklich was wusste und so einen deutlich tieferen Einblick gewonnen habe.

Ich kann sehr empfehlen die An- so wie Abreise zu nutzen um die Gegend etwas zu erkunden. Mir Zug/Bus/Fähre dauert zwar alles etwas länger aber das ist es definitiv Wert. Ein Zugticket nach Stockholm kriegt man schon ab 60€ und die Fähre von Stockholm nach Turku kostet auch nur 25€. Allerdings ist ein Zwischenstopp auf den Aland Islands auch sehr zu empfehlen und von dort kommt man auch sehr günstig wieder aufs Festland (die Fähren zwischen den Inseln sind für Fußgänger kostenlos!) in Finnland fahren dann von allen einigermaßen großen Städten Züge nach Oulu. Am günstigsten kommt man innerhalb Finnland aber wahrscheinlich mit dem Bus rum (OnniBus!). Eine andere (auch sehr erschwingliche) Möglichkeit ist die Route über die Baltic Staaten (Finnland -> Estland -> Lettland -> Litauen -> Polen -> Tschechen -> Deutschland). Es gibt ja gottseidank Hin und Rückreise, so dass ich beide Optionen ausnutzen konnte. Falls man die Zeit gerade nicht hat oder einfach schnell sein Ziel erreichen möchte, hat Oulu auch einen Flughafen (Direktflüge von Deutschland gibt es allerdings keine, ein Zwischenstopp in Helsinki ist immer nötig).

Oulu ist keine große Partystadt und die Menschen sind nicht gerade übermäßig offen, trotzdem hilft einem jeder und überall, wenn man nur fragt und natürlich gibt es auch einige Bars und Clubs. Zudem organisiert der ESN (exchange student network) einige Parties, sowie kleinere und größere Trips. Da mir persönlich reisen in großen Gruppen immer etwas zu anstrengend ist, habe ich nur das Mökki (=typische finnische Hütte) Wochenende und einige kleinere Aktionen mitgemacht. Es bietet sich auch sehr an einfach ein Auto auszuleihen und mit ein paar Leuten zu einem der vielen Nationalparks zu fahren. Dort gibt es eigentlich immer free wilderness huts, sodass sogar man immer einen kostenlosen warmen Schlafplatz hat. Insgesamt ist natürlich der wichtigste Part von Freizeit die Leute und eines kann ich da mit Sicherheit sagen: die Leute die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte sind richtige Freunde geworden und haben meine Zeit definitiv zu etwas Besonderem gemacht. In unserer Clique ist zwar gerade mal ein Finne vertreten, aber dadurch, dass alle Austauschleute einfach neu sind und niemanden haben, kommt man zu denen auch einfach schneller in Kontakt. Außerdem sind Finnen zwar definitiv kein unfreundliches Völkchen aber Smalltalk gehört nicht zur Kultur und auch sonst braucht es einfach ein bisschen bis sie warm werden (kein Wunder bei so einem kalten Land..). Trotzdem wird man die finnische Kultur (vor Allem Sauna, starken Kaffee, Ice hole swimming und die verdammt frühen Essenszeiten) miterleben.

Meine Zeit in Oulu war unvergesslich und ich bin der festen Überzeugung, dass Programme wie diese den Zusammenhalt zwischen verschiedenen Kulturen extrem stärken. Deswegen mein Fazit: Auslandsemester – definitiv immer gerne wieder. Wenn man kein reines Party-Erasmus braucht und auch mit etwas Kälte (da gewöhnt man sich aber eigentlich ganz schnell dran) klarkommt dann ist auch Oulu ein wirklich empfehlenswertes Ziel und die Begeisterung über einen kleinen Streifen blauen Himmel im Dezember ist definitiv etwas, dass ich nicht missen wollen würde.

Kontakt: via Dirk.Merten@uni-jena.de

 

 

Auslandsaufenthalt in Sevilla/Spanien im Herbst 2016

Martin Roggenbuck

AAD RISE weltweit Forschungspraktikum an der Estación Biológica de Doñana, Sevilla, Spanien

Überblick

Vom 08.08.2016 bis zum 16.10.2016 habe ich im Rahmen des „RISE weltweit"–Förderprogramm des Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) ein Forschungspraktikum absolviert. Die Gastgebereinrichtung war die Estación Biológica de Doñana (EBD) in Sevilla, einer großen, öffentlichen Forschungseinrichtung, die sich im Speziellen dem Nationalpark rund um das Feuchtgebiet der Doñana widmet. Meiner Betreuerin war Ana García Popa-Lisseanu. Sie ist Teil der Fledermaus-Arbeitsgruppe und untersucht ökologische Fragestellung u.a. mithilfe von stabilen Isotopen (Kohlenstoff-, Stickstoff- und Wasserstoff-Isotope), die Aufschluss über Nahrung und Trophiestufe geben können. Meine Tätigkeit war innerhalb eines Forschungsprojektes und bestand weitestgehend aus der Aufbereitung der Proben für die Isotopenanalyse, wobei ich sehr selbstständig gearbeitet habe und im Laborkollegium eingebunden war. Daneben nahm ich Teil an der regelmäßigen Messkampagne, in der auch Fledermäuse gefangen und beprobt wurden, und konnte einen guten Einblick in das Instituts-Leben nehmen. Persönlich hatte ich genügend Zeit die Landschaft und Kultur Südspaniens zu entdecken und am reichen kulturellen Leben Sevillas teilzunehmen. Meine Unterkunft und z.B. Sportkurse konnte ich vor Ort privat organisieren.

Das Forschungs-Projekt und meine Arbeit darin

Das Projekt in dem ich eingebunden war ist eine Grundlagenforschung über den Einsatz Isotopenmethoden für ökologische Fragestellungen; mit dem Ziel ein „Störgeräusch" zu erfassen. Und zwar konnte Ana Popa-Lisseanu in vorhergehenden Arbeiten einen Jahresgang in der Isotopensignatur ihrer Target-Organismen finden, der nicht ökologisch verknüpft zu sein schien. Die Hypothese dafür ist, dass Pflanzen auf die sommerliche Aridität in der Region mit physiologischen Maßnahmen (Schließen der Stomata) antworten, die eine veränderte Isotopensignatur bewirken. Diese veränderte Isotopenzusammensetzung setze sich dann über Ernährung im Nahrungsnetz fort und würde dann auch als Signal bei höheren Trophiestufen erkennbar sein. Mithilfe eines mehrmonatigen Experiments, in dem der Effekt von Bewässerung und Beschattung getestet wurde, und regelmäßigen Probenahmen von Vegetation, Insekten, Fledermäusen sollte diese Hypothese überprüft werden.

Meine Tätigkeit bestand in der Zeit überwiegend aus der Aufbereitung der Proben für die Analyse, was ein arbeitsintensiver und viel Konzentration und Sorgfältigkeit erfordernder Prozess ist. Ein typischer Arbeitsgang für eine Probe war so zum Beispiel: Die gleichmäßige Auswahl an Gewebe je Probenart, dem Homogenisieren mithilfe einer Schwingmühle, dem Abwiegen auf ein Mikrogramm genau. Mein Angelpunkt im Institut war daher hauptsächlich das stabile Isotopen-Labor. Das Arbeiten dort war sehr kollegial geprägt und angenehm und ich wurde so schnell integriert in den Alltag. Die für das Labor zuständige Technikerin Susana Carrasco Congregado war dabei sehr Willkommen heißend, hilfsbereit und hat mir auch häufig einen Einblick in ihre Tätigkeiten und den anderen Gerätschaften im Labor gegeben. Durchgehend als Kollegen hatte ich auch eine Gruppe von brasilianischer Austauschstudierenden. Da viele Doktoranden und Mitarbeiter am Institut immer mal wieder Arbeiten im Labor zu tun haben, hatte ich auch die Gelegenheit aus anderen Bereichen Menschen zu treffen und ins Gespräch zu kommen. Ich habe in Rücksprache mit meiner Betreuerin weitestgehend selbstständig gearbeitet und konnte in dieser Hinsicht die Zeiteinteilung und die tagtäglichen Aufgaben für mich selber bestimmen.

Neben der Arbeit am Institut nahm ich auch Teil an der Messkampagne im Nationalpark, die von Detlev Kelm von der Arbeitsgruppe durchgeführt wurde. Dort war ich mehrere Tage in der Feldstation untergebracht, die im Zentrum des Nationalparks liegt. Detlev war äußerst zuvorkommend und hat nebenbei viele Aspekte der Flora und Fauna gezeigt. Das Beproben der Fledermäuse – Haut, Haare, Kot – war sehr faszinierend: Der Kontakt mit den ansonsten selten so direkt wahrzunehmenden Tieren ist ziemlich besonders und es gab die Gelegenheit – bzw. aufgrund der Jahreszeit, in der adulte und juvenile Tiere kaum noch zu unterscheiden sind, waren wir gezwungen – viele subtile Merkmale zu betrachten. Die Fangmethode mit Stellnetzen verlief sehr routiniert und effizient, aber dahinter steckt natürlich sehr viel Geschick, Sorgfalt – eine Kunst für sich.
Außerhalb des Labors tat ich mir bei der Integration manchmal aber auch schwer und hatte wohl Hürden unterschätzt, die man nun mal im Ausland begegnet. Zum einen aufgrund der Sprachbarriere, die ich im Alltag häufig spürte, aber auch am Institut dafür sorgte, dass ich manchmal nicht den Anschluss bekam oder mich nicht so gut definieren und einbringen konnte, sei es beim Mittagessen im Gemeinschaftsraum (dem comodoro) oder wenn man sich Mitarbeitern vorstellt. Meine Spanischkentnisse waren aber eben nicht so fortgeschritten und Englisch ist es weniger üblich als ich es in Deutschland erlebt habe. Zum anderen waren die Strukturen im Institut etwas anders, z.B. gab es weniger „formale" Treffen wie wöchentliche Arbeitsgruppentreffen oder Kolloquien.

Persönliches, Wohnen, Danach

Der Sprung in ein anderes Land war einer der wichtigen Aspekte für mich dieses Praktikum zu machen. Spanien war mir über einige Freunde schon gut bekannt und kam mir dann vor allem aufgrund des Projektes in Frage.

Im Gegensatz zur mehrheitlich gebirgigen Landschaft Südspaniens liegt Sevilla inmitten einer großen Ebene, die vom Fluss Guadalquivir und einer intensiven Landwirtschaft geprägt wird. Erreicht man die Stadt im Sommer, fährt man aus allen Richtungen etwa eine Stunde über die trockenen, flurbereinigten Hügel der Provinz. Ein anderes Bild müsste man von der Hafenstadt bekommen, wenn man sie – wie in der Geschichte – wohl vielmehr über das Wasser erreicht: Dann würde man in den etwa 80 km zwischen Mündung und Stadt eine der größten Deltaregionen Europas durchqueren, die mäandrierend, grün und belebt ist. Die Stadt selber erhebt sich aus jeder Perspektive wie eine Oase, mit grünen Flussufern, großen Parks, Straßen voller Orangenbäume und andererseits mit den großen Gebäuden, hohen Türmen und einem Labyrinth aus schattigen Gassen. Von den wahnsinnig heißen Augustwochen vielleicht abgesehen,– ist Sevilla eine sehr lebendige Stadt, mit vielen Studierenden, Szenevierteln, Kunstfestivals und vielen großen Arbeitgebern. Das Leben findet draußen statt und die Straßen und Plätze sind grün und gemütlich. In Buchläden, Cafés oder Aushängen an Universitätsgebäuden fand ich oft gute Hinweise auf interessante (i.d.R. kostenlose) Veranstaltungen. Sachen wie zeitgenössischer Tanz oder Flamenco haben mir äußerst gut gefallen und hatten einen hohen Stellenwert in der Stadt.

Meine Unterkunft suchte ich erst vor Ort und es brauchte etwa 2 Wochen bis ich eine gefunden hatte. Ich wohnte zunächst mit einigen neuankommenden Austauschstudierenden zusammen und bin dann nochmal umgezogen in eine WG mit zwei Spaniern. Meine Betreuerin bot allerdings auch die Möglichkeit an über das Institut eine Wohnung zu vermitteln.

Mich zurecht zu finden in dem Land war insgesamt ein doch langer Prozess und lag teilweise an einer Voreingenommenheit die ich hatte und lösen musste. Ich denke ich hatte relativ hohe Erwartungen und zu genaue Vorstellungen an meine Zeit, hinsichtlich solcher beispielhafter Bilder wie, dass ich gerne mit vielen Einheimischen gewohnt hätte, Picknicks im Parks oder Interessen wie Basketball zu spielen teilen könnte. Aber auch im 21. Jahrhundert in Zeiten von Couchsurfing, Duolingo, Erasmus-Vereinen, sind es eher die zufälligen Begegnungen, die einem persönlich Bedeutung schaffen in einem fremden Land.

Anschließend an das Praktikum hatte noch mehrere Wochen eingeplant im Land zu sein und bei einem Landgut/Bauernhof zu arbeiten und mich mit der mediterranen Landwirtschaft auseinanderzusetzen. Dies war ein sehr schöner Einblick in das ländliche Spanien und hat mir auch sehr geholfen meine Sprachkentnisse zu verbessern. Allerdings musste ich aufgrund Zahnprobleme verfrüht wieder nach Deutschland zurückkehren.

Fazit

Es war sehr bereichernd für mich ein anderes Land kennenzulernen und die Zeit und die Entfernung zu haben sich selber zu orientieren. Ich möchte mich sehr bei Ana Popa-Lisseanu und dem DAAD bedanken für die Ermöglichung dieses Praktikums und für die sehr unkomplizierte, freundliche und fördernde Kommunikation und Organisation. Die Arbeit am Institut hat mir viel Freude bereitet und mir einen breiten Einblick gegeben in den wissenschaftlichen Mittelbau und auch mein Bewusstsein gestärkt in welcher Weise ich arbeiten möchte. Insbesondere ist mir bewusstgeworden, dass ich sehr gerne im Team arbeite. Ich kann es wärmstens empfehlen Auslandserfahrungen zu machen und finde das Rise-Programm bietet hierfür eine sehr gute Möglichkeit.

Martin Roggenbuck, November 2016

Kontakt: Maroggen[at]web[punkt]de

Auslandsaufenthalt in Dänemark im 5. Semester des Bachelorstudiums

Judith Schepers

Mein Semester in Aarhus Wintersemester 2015/16

Vorab erstmal, wenn du noch unsicher bist, ob du ein Auslandssemester machen sollst, egal wo – mach es! Du wirst in der Zeit unglaublich viele Erfahrungen sammeln, wie du mit Unterrichtsmethoden klar kommst, die ganz anders sind als gewohnt, oder dich mit Händen und Füßen verständigst, weil dich keiner versteht.

Vor dem Aufenthalt

Es ist ratsam sich schon frühzeitig um die ganzen Unterlagen zu kümmern, die du für die Bewerbung brauchst. Sei es ein Empfehlungsschreiben eines Hochschullehrers, ein Nachweis für das Sprachniveau, die Notenübersicht auf Englisch oder auch so Dinge wie Passbilder (davon brauchst Du im Laufe der Zeit echt viele). Und bewirb Dich so früh wie möglich um einen Wohnheimplatz, denn der ist auch für Austauschstudenten nicht überall sicher. Ich habe eine Absage für den Wohnheimplatz bekommen mit dem nützlichen Tipp: „schau mal in Facebook". Da habe ich mich selbst auf die Suche gemacht und nur eine Wohnung außerhalb der Stadt bekommen. Dafür für einen in Aarhus unschlagbaren Preis.

Und dann können eigentlich auch schon die Koffer gepackt werden. Und die sollten viel Badprodukte, Essen und Trinken enthalten. Denn es ist doch echt teuer in Dänemark, weil dort mit einem durchschnittlichen Lohn von ca. 15€/h für Studentenjobs einfach mehr verdient wird und eben auch mehr ausgegeben werden kann.

Ankunft

Abb. 1.: Das Universitätsgelände mit Blick auf den Hafen

Am besten reist du schon ein paar Tage früher an und erledigst die ganzen Formalia, denn am offiziellen Welcome Day herrscht im International Center Hauen und Stechen. Da bist du froh, wenn du dich bei einer Schlange weniger anstellen musst. Und beantrage die cpr Karte und NemID schon im Voraus, weil du die für das Bankkonto, Internet und Bibliothekskarte brauchst. Was ich echt super fand, war die Welcomebag mit lauter nützlichen Sachen wie Kuli, Block, SIM card, Freitickets und ein Regenponcho.

Für uns wurden in der Intro-week sowohl vom International Center als auch vom Biology Department Veranstaltungen organisiert über das Leben in Dänemark, was wir von einem Auslandsjahr zu erwarten haben, wie die Klausuren hier ablaufen (die achten sehr genau auf Plagiatismus) und ganz viele Kennenlernspiele. Dank Klimawandel hatten wir dabei für Aarhus ungewöhnlich viele warme und trockene Tage. Das hat sich dann mit Anfang der Vorlesungen pünktlich geändert und das Aarhus Festival (jedes Jahr Ende August/ Anfang September) konnte, ganz Dänemark like, im Regen verbracht werden :D.

In der Vorlesung solltest du dich unbedingt am Anfang neben wen Dänisches setzen. Die können dir meistens schon sagen was wichtig sein wird und wo es sich lohnt genau aufzupassen. Denn die Vorlesungen sind anders als bei uns. Es werden viel mehr Paper gelesen und es wird mehr mit dem Buch gearbeitet. Und die Dänen lieben es zu diskutieren, was auch hier zu merken ist, und in jedem Kurs wird mindestens ein Referat gehalten.

Und was ich gelernt hab: Sagt nicht zu laut, was komisch ist, in Dänemark oder an den Dänen (sowas wie „euer Rathaus ist echt hässlich" oder „wer zur Hölle ist Tina Dickow die so gefeiert wird"?!). Die verstehen dich. Denn in der Schule lernen viele Deutsch und auch wenn sie es nicht mehr sprechen, verstehen die noch genug, um dir einen sehr bösen Blick zuzuwerfen.

Nach einiger Zeit

Es wird immer kälter und du verstehst, was es mit dem „in Dänemark regnet es viel" auf sich hat. Daher packst du dich dick ein und da der Wind zu stark ist, um einen Regenschirm zu benutzen, kommt auch der schicke Poncho, den du am Anfang bekommen hast, drüber. Damit sollte man doch in einer Regennation nicht weiter auffallen oder? Aber wenn du vor die Tür gehst, lächelt dich der dänische Nachbar, der auf die ganzen Extras verzichtet, nur an, schwingt sich aufs Rad und wird auf wunderliche Weise kaum nass.

 Wie machen die Dänen das nur? Aber man gewöhnt sich recht schnell daran, dass es immer nass ist. Wenn Jacke und Schuhe einigermaßen dicht sind, ist das nicht weiter störend. Denn wenn es nicht regnet, ist es nebelig. Wenn aber die Sonne rauskommt, ist es einfach traumhaft und von dem Regenbogengang im Aros hat man eine fantastische Sicht über die Stadt.

Im Oktober ist die erste Runde Klausuren dran. Hier ist das Jahr nicht nur in Semester sondern auch in Quarter unterteilt. Da zwei meiner Kurse über beide Quarter gingen und ich in den Ferien nur eine Klausur hatte, konnte ich die Zeit auch noch für Reisen nach Schweden und Kopenhagen nutzen. Die zweite Runde Klausuren kommt dann im Januar. Ich hatte keine einzige „normale schriftliche" Klausur wie es in Jena üblich ist.

In Stream Ecology musste während des Semesters ein Referat gehalten werden und am Ende des Semesters stand eine mündliche Prüfung, für die man 2 Tage Vorbereitungszeit hatte nach der man ein kurzes Referat hielt. Anschließend wurden Fragen aus allen Themengebieten des Kurses gestellt. Außerdem wurde im Herbst im Rahmen des Kurses ein Fluss bei Lemminge in der Mitte Dänemarks besucht. Dort wurden die verschiedenen Probennahme-Techniken erklärt und ein paar derzeitige Rinnenexperimente gezeigt. In den Wochen danach wurden die Invertebraten des Flusses bestimmt.

Bei Macroecology and Biogeography wurde im Dezember ein Katalog mit Themengebieten veröffentlicht und eine halbe Stunde direkt vor der Prüfung wurde das Thema, über das geprüft werden sollte, veröffentlicht.
Für GIS musste nach drei Wochen eine Arbeit abgegeben werden. Die Aufgaben mussten mit ArcGis bearbeitet werden.

Auch für Environmental Economics musste eine Arbeit über einige Aufgaben geschrieben  werden, die zur Hälfte aus Kalkulationen in Excel bestand und zum anderen Teil aus Internetrecherche zu den gegebenen Fragestellungen. Allerding war die Bearbeitungszeit nur 48h.

Insgesamt sind die Klausuren deutlich entspannter als es mir bekannt war, da nicht Faktenwissen sondern Verständnis geprüft wurde. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich bis auf GIS Masterkurse besucht habe und die ja auch in Deutschland nicht mehr Grundlagenfächer sind, in denen es nur um Fakten geht.
In Aarhus wird versucht ein möglichst produktives Klima zu schaffen und es gibt neben den Lernsälen und Gruppenräumen auch eine Entspannungszone mit Sitzsäcken, Playstation und Massagestühlen.

Abb. 2.: Eine typische Gasse in Aarhus' Stadtkern
Abb. 3.: Inseln vor Göteborg (Schweden)
Abb. 4.: Invertebraten aus dem Bestimmungskurs

Abfahrt

Vor der Abfahrt muss man sich wieder um die formellen Dinge in Aarhus und Jena kümmern aber dafür werden früh genug Mails mit den wichtigen Details geschickt.
Und natürlich werden die letzten Feste gefeiert, Unmengen an Erinnerungsfotos gemacht und alle haben sich unglaublich lieb. :P

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Es war ein fantastisches Semester, das ich auf keinen Fall missen möchte. Ich habe Freunde aus fast der ganzen Welt gefunden (wenn auch sehr viele der Internationals Deutsche waren), die ich sehr ins Herz geschlossen habe.

Außerdem habe ich gesehen, dass es noch andere Lehr- und Lernmethoden gibt als ich bisher erfahren habe.

Auslandsaufenthalt in Norwegen im 5. Semester des Bachelorstudiums

Janina Leinberger

Mein fünftes Semester habe ich, im Rahmen des ERASMUS Programms, an der „Norwegian University of Life Sciences“ (NMBU) in Ås verbracht.

Zu meiner Bewerbung motiviert hatten mich die frühere Teilnahme an schulischen Austauschprogrammen, mein Interesse an anderen Sprachen und Kulturen, sowie meine besondere Faszination für die skandinavischen Länder.Aus dem umfangreichen, englischsprachigen Kursangebot der NMBU, konnte ich ohne große Schwierigkeiten genügend Module wählen, die ich mir zu Hause anrechnen lassen konnte, sodass ich mein Studium, trotz Auslandssemester, in Regelstudienzeit beenden konnte. Besonders positiv an dieser Universität fand ich die relativ kleinen Kursgruppen, meist zwischen 5 und 30 Studierenden, wodurch ein wesentlich intensiverer fachlicher Austausch zwischen den Studierenden untereinander und mit den Dozenten zustande kam.

Dank des liebevoll und aufwändig gestalteten Einführungsprogramms von Universität und Studentenvertretung wuchs die Gemeinschaft der internationalen Studierenden in kürzester Zeit eng zusammen und ich gewöhnte mich sehr schnell in der neuen Umgebung ein. Der kulturelle Austausch mit Studierenden aus aller Welt war für mich persönlich eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich während meines Aufenthaltes gemacht habe, und mit Sicherheit diejenige, die mich am Nachhaltigsten geprägt hat.

Daraus entstanden sind anhaltende Freundschaften, die sich bei zahlreichen Ausflügen in die atemberaubende Natur Norwegens oder bei der Erkundung des sehr vielfältigen Studentenlebens an der NMBU entwickelt haben. Das Auslandssemester war für mich eine verrückte, wilde, inspirierende und motivierende Zeit, die mich auf persönlicher wie fachlicher Ebene enorm voran gebracht hat.

Allerdings gab es in sechs Monaten Norwegen auch viele schwierige Momente, in denen ich mich irgendwie „durchbeißen“ musste. Aus diesen Gründen würde ich ein Auslandssemester allen empfehlen, die flexibel genug sind sich an eine neue Umgebung anzupassen, die das Durchhaltevermögen haben sich dem bürokratischen Aufwand zu stellen und für die es nichts Besseres gibt, als mit neuen Freunden ein unbekanntes Land zu erkunden.

Janina Leinberger

 

Auslandsaufenthalt 2011/2012 in Finnland im 5. Semester des Bachelorstudiums

Sina Bold

Im 5./6. Semester meines Bachelorstudiums der Biogeowissenschaften war ich an der University of Eastern Finland (UEF) in Joensuu (http://www.uef.fi/en).Joensuu befindet sich in Ostfinnland in der Region Karelien, nur ca. 80 km von der russischen Grenze entfernt. Finnland, das Land der tausend Seen, ist auf jeden Fall ein Muss für alle Naturliebhaber. Damit ist es genau das richtige für Studenten der Biogeowissenschaften, insbesondere für Interessierte der Limnologie und Forstwissenschaften. 

Erfreulicherweise konnte ich als Erasmusstudent an die UEF Joensuu gehen, was sicherlich vieles erleichtert hat. So hatte ich auch die Möglichkeit an einem vierwöchigen "Erasmus intensive language course" (EILC) in Rovaniemi, Lappland teilzunehmen bevor ich nach Joensuu gezogen bin. Ich empfehle jedem der als Erasmusstudent nach Finnland gehen will, sich für einen EILC zu bewerben. Mal davon abgesehen, dass es meiner Meinung nach selbstverständlich ist, dass man versucht die Landessprache zu erlernen, ist es denke ich der beste Anfang für einen Auslandsaufenthalt. So lernt man nicht nur Land und Leute, sowie deren Sprache und Kultur direkt vor Ort kennen, sondern man kann bereits hier Freundschaften zu anderen europäischen Austauschstudenten knüpfen, die in dem darauffolgenden Semester ebenfalls an einer der finnischen Universitäten studieren werden.

Das Programm "Environmental Science and Forestry" an der UEF Joensuu bietet zahlreiche Kurse auf Englisch an aus denen man wählen kann. Der Nachweis eines Englisch-Sprachtests ist dabei nicht nötig. Für den Unialltag reichen Englischkenntnisse vollkommen aus, während für Freizeitaktivitäten grundlegende Finnischkenntnisse hilfreich, aber nicht unbedingt zwingend erforderlich sind. Während meines Auslandsaufenthaltes habe ich u.a. folgende Kurse belegt:

  • "Environmental Monitoring of Large Lakes"
  • "Ecotoxicology and Risk Assessment"
  • "Sustainable Water Management"

Neben den Vorlesungen gab es fast zu jedem Kurs begleitende Seminare und Exkursionen, in denen das neu gewonnene Wissen gleich angewandt werden konnte. Zum Beispiel gab es Tagesfahrten mit dem Forschungsschiff "Muikku" auf den See Pyhäselkä, an dessen Ufer Joensuu angesiedelt ist. Während der Ausfahrten wurden u.a. Strömungsmessungen durchgeführt, sowie Wasser- und Phytoplanktonproben genommen. Grundlegende Wasserparameter wurden anschließend direkt an Bord in einem Labor analysiert.Desweiteren konnte ich ein von der Uni organisiertes Praktikum in dem "Fisheries Research Institute" (www.rktl.fi/english/) in Enonkoski absolvieren, das dem finnischen Umweltamt untergeordnet ist. Dabei half ich u.a. bei der täglichen Fütterung der Fische auf der dazugehörigen Fischfarm, der Gewinnung von Lachseiern, sowie der Auswahl geeigneter Eier für den Brutstock, und der Erfassung des natürlichen Fischbestands in einem anliegenden See.

Nach einer Projektarbeit in dem "Laboratory of Aquatic Ecology and Ecotoxicology" an der UEF Joensuu, hatte ich die Möglichkeit ebenfalls meine Bachelorarbeit mit dem Titel "Identification of Oxidative Stress in Chironomus riparius Larvae Exposed to Fullerene Nanoparticles (C60)" dort zu verfassen. Dadurch verlängerte sich mein anfangs für ein Semester geplanter Auslandsaufenthalt um ein weiteres Semester. Die daraus hervorgegangenen Ergebnisse werden nun sogar Teil einer wissenschaftlichen Publikation werden.Erfreulicherweise wurden mir alle Kurse, die ich an der UEF Joensuu belegt habe, für das Bachelorstudium der Biogeowissenschaften an der FSU Jena angerechnet, sodass ich trotz meines Auslandsaufenthaltes den Bachelor in Regelstudienzeit abschließen konnte. Generell empfehle ich jedem Studenten, wenn möglich, für mindestens ein Semester ins Ausland zu gehen. Für Interessierte der Limnologie und Forstwissenschaften, die Winter von bis zu -30°C nicht scheuen, ist Finnland, insbesondere die UEF Joensuu, bestens geeignet. 

Für Fragen und weitere Informationen stehe ich sehr gerne via Email zur Verfügung (SinaBold@gmx.de).

Auslandsaufenthalt 2011/2012 in Frankreich im 5. Semester des Bachelorstudiums

Lena S.

Im Wintersemester 2011/2012, also im 5. Semester des Bachelors, war ich in Montpellier, Frankreich, an der Université Montpellier 2. Ich habe mich zu dem Austauschsemester entschieden, da ich den Unialltag in einem anderen Land, sowie die französische Kultur und Sprache näher kennenlernen wollte. Allgemein habe ich eine sehr gute Zeit dort verbracht, wobei mir besonders die Vielseitigkeit der Region gefallen hat: Mit dem Bus ist man innerhalb einer halben Stunde am Strand oder aber auch im Hinterland, wo man sehr gut wandern kann.

Als schwierig zu überwinden stellte sich jedoch die französische Bürokratie heraus. Obwohl von Seiten der französischen Uni kaum Unterstützung kam, war nach ca. 2 Monaten schlussendlich doch alles Organisatorische geklärt. In der Uni sind alle Veranstaltungen auf Französisch und auch im Alltag haben fast alle Franzosen ausschließlich französisch mit mir gesprochen. So war es am Anfang zwar etwas schwierig für mich mit meinen nur noch rudimentär vorhanden Sprachkenntnissen, jedoch fand ich schnell in die Sprache hinein und habe auch einige Prüfungen (zwar mehr schlecht als recht, aber immerhin) bestanden. Jedoch hätte ich mir nur zwei Module in Jena anrechnen lassen können, da sich vor Ort rausstellte, dass ich an vielen Modulen, die ich vorher im Learning agreement mit beiden Unis vereinbart hatte, aus verschiedenen Gründen doch nicht teilnehmen konnte und ich somit kurzfristig ganz andere Module belegen musste. Ich würde einen Aufenthalt an der Université Montpellier 2 denjenigen empfehlen, die gerne den Alltag an einer französischen Uni und die französische Sprache kennen wollen und bereit sind, ein Extra- Semester in Kauf zu nehmen. Außerdem sollte man eine Menge Geduld mitbringen, um nicht an der französischen Bürokratie zu verzweifeln.

 

Kontakt: kann über Dirk Merten hergestellt werden 

Auslandsaufenthalt im 5. und 6. Semester des Bachelorstudiengangs in Ecuador

Lena Carstens

Im 3. Studienjahr meines BioGeo Bachelors war ich für zwei Trimester in Ecuador (Quito/Galapagos) und absolviere momentan mein Praktikum in einer NGO im Regenwald Costa Ricas. Ich habe mich entschieden nach Lateinamerika zu gehen, da ich andere Sichtweisen und Kulturen kennenlernen möchte, und am liebsten auch mit internationalem Bezug arbeiten möchte.Benötigt habe ich Sprachkenntnisse in Spanisch und Englisch. Ich konnte die im Ausland belegten Module teilweise auf mein Studium anrechnen lassen, anderseits habe ich es als Möglichkeit gesehen, mein Studium im biologischen/ökologischen Bereich auszuweiten.Ein Aufenthalt an einer Gastuni oder ein Praktikum im Ausland (vielleicht auch weniger kompliziert über Erasmus oder mit PROMOS Finanzierung oder nur ein Semester) kann ich sowohl für die akademische aber auch persönliche Entwicklung sehr empfehlen.

Für weitere Infos siehe den Link zu meinem Blog www.lenaenlatinoamerica.wordpress.com

Auslandsaufenthalt im 5./6. Semester des Bachelorstudienganges in Granada/Spanien

Marius Hasenheit

Im 5. Semester meines BioGeoWissenschaftsstudiums war ich in Granada, Spanien. Ich hatte zwar seit Studienbeginn vor, ins Ausland zu gehen, wollte aber zunächst nur ein Semester bleiben. Angekommen,  wurde mir schnell klar, dass es sich eher lohnen würde, 2 Semester zu bleiben. Zwar konnte ich bereits  Spanisch, da ich meinen Freiwilligendienst inMittelamerika absolvierte, aber es braucht mehr Zeit, um in einer  Stadt und einem Studium anzukommen. Spanisch zu beherrschen ist gerade in einer Erasmusstadt wie Granada essentiell, um nicht verlockt zu sein sich in einem rein englisch-sprachigen Umfeld zu bewegen.

DieOrganisation mit dem dortigen Büro war recht herausfordernd, aber machbar. Module die eigentlich angeboten werden sollten, fielen aus, andere tauchten im Lehrplan auf – im Endeffekt belegte ich teilweise andere Fächer als erwartet. Anerkannt werden konnte weitestgehend alles – das stellte ich jedoch auch bereits im Voraus sicher und kommunizierte alle Änderungen mit den Ansprechpartnern in Deutschland.Auch wenn es nichts Neues ist, zu hören, dass Auslandsaufenthalte sehr bereichernd sind, so ist es dennoch jedes Mal umso eindrücklicher, es wirklich zu erfahren. Fachlich brachte mir das Studium dort viele Einsichten in Fragen des Managements von Küstenregionen – besonders da diese internationaler Kooperation bedürfen und dadurch besondersherausfordernd sind. Besonders die Exkursionen zu Plastikfolien-bedeckten Regionen (Gewächshäuser) und Strandstreifen vieler legaler und illegaler Hotels, waren spannend. 

Auch gab es an der Universidad de Granada ohne Probleme die Möglichkeit, Module des Grundstudiums zu belegen. Wie so oft, war die Qualität der Kurse sehr vom jeweiligen Lehrpersonal abhängig.Ich empfehle einen solchen Auslandsaufenthalt sehr, würde aber zu bedenken geben, dass es nötig ist, sich vorher die entsprechenden Sprachkenntnisse anzueignen. Wer beispielsweise mit einem A-Sprachniveau nach Spanien geht, muss sehr diszipliniert sein und sich spanisch-sprachigen Umgang und WG suchen, um nach dem Auslandsaufenthalt nicht nur seine Englischkenntnisse verbessert zu haben.Bei Rückfragen, stehe ich gern zur Verfügung.

Viele Grüße und Erfolg,
Marius Hasenheit

Auslandsaufenthalt im 3. Semester des Masterstudiengangs in Oulu/Finnland

Laura Degenkolb

Ich verbrachte mein Auslandssemester von September bis Dezember 2013 an der Oulun Yliopisto, wo ich im Bereich Biologie und Geologie studierte. 

Schon seit meinem 3. Semester an der Universität Jena wollte ich über Erasmus ein Auslandssemester durchführen, denn diese Möglichkeit schien mir sehr verlockend und eine ideale Gelegenheit, meinen Horizont zu erweitern und zu erkunden, ob das Leben im Ausland vielleicht auch später etwas für mich sein könnte. Schon längere Zeit lockte mich der Gedanke, später einmal in Schweden zu wohnen, so fiel mir die Wahl des Ziellandes nicht schwer. Doch natürlich klappte nichts so wie ich es wollte. Zuerst bewarb ich mich für einen Auslandsaufenthalt in meinem 5. Semester, doch die Dokumente der Gasthochschule Lund erreichten mich nie und so musste ich meine Pläne erst einmal aufschieben. Dann, in meinem 3. Mastersemester, sollte es aber endlich klappen. Ich bewarb mich für Göteborg und Lund, aber da Schweden ein sehr beliebtes Land ist, bekam ich den Platz nicht. Dennoch wollte ich immer noch wenigstens in ein skandinavisches Land und da war Oulu die letzte Möglichkeit. Ein Blick auf die Karte versetzte mir einen Schock: So weit nördlich lag dieses Oulu?! Das konnte ja was werden. Und dann hatte ich 4 Semester lang schwedisch gelernt, um mich nun mit Finnisch herumschlagen zu müssen. Schnell belegte ich noch einen Finnisch-Kurs, der anstrengend war. In Oulu würde ich später feststellen, dass fast niemand irgendwelche finnischen Vorkenntnisse hatte und man mit Englisch wirklich gut aufgehoben war, dennoch bin ich froh, diesen Kurs belegt zu haben, denn es bereichert den Auslandsaufenthalt in jedem Falle, wenigstens ein paar Aufdrucke und Schilder lesen zu können. Auch meine Schwedischkenntnisse waren mir in allen Supermärkten von Nutzen, da Schwedisch die 2. Amtssprache Finnlands ist, wenn sie auch in Oulu so gut wie niemand spricht. Ein weiteres Problem bei den Vorbereitungen für den Auslandsaufenthalt stellte die Wohnungssuche dar. Ich bewarb mich erst Mitte Mai für einen Wohnheimplatz, was deutlich zu spät war, um auch nur eine leise Chance auf eine Wohnung von PSOAS (des dortigen Studentenwohnheimes) zu haben. Nun musste ich über Couchsurfing und Facebook suchen und damit war ich nicht allein. Ich habe unglaublich viele Austauschstudenten kennengelernt, die keine Wohnung von PSOAS bekamen als sie anreisten und deshalb erst einmal in einem Hotel schliefen oder eben Couchsurfing machten (eine sehr empfehlenswerte Alternative zu den teuren Hotels). Ich hatte Glück und lernte kurze Zeit vor meiner Anreise einen Finnen über Couchsurfing kennen, der eine neue WG gründen wollte, in die ich mit einziehen konnte. Das stellte sich als ideal heraus. Er konnte mir zu Anfang mit sehr vielen Dingen helfen, lieh mir Möbel, Bettwäsche, Geschirr und eigentlich alles, was ich zum Leben brauchte und konnte natürlich bei sprachlichen Problemen immer helfen. Die Austauschstudenten in den Wohnheimen kamen kaum mit Finnen in Kontakt, allerdings lebten sie zusammen am Campus, der sich ca. 7km vom Stadtzentrum und damit meiner Wohnung entfernt befand. Zudem gab es in den Studentenwohnheimen, wo alle Austauschstudenten lebten, viele Partys, die mich und meinen Nachtschlaf sicher ziemlich gestört hätten. So bin ich letztendlich sehr froh, einen privaten Wohnplatz gefunden zu haben, der sich preislich auch nur geringfügig von den Wohnheimplätzen unterschied.Nachdem die Wohnungssuche geklärt war, stellte der Rest kaum noch Probleme dar. Für mein Studium wollte ich in Oulu keine Vorlesungen belegen, sondern ein 4monatiges Projekt durchführen und die Verantwortlichen der Universität Oulu waren bei der Suche sehr hilfsbereit. So fand ich schnell eine biologische Arbeitsgruppe, in der ich dieses Projekt ausführen konnte. Zudem wollte ich gern einen Kurs in Polarisationsmikroskopie absolvieren und auch hier war der Professor sehr entgegenkommend. Denn obwohl der Kurs in Finnisch war, bot er mir an als Ersatz für die Vorlesung ein Buch zu lesen und seine Übung z.T. in Englisch zu gestalten. Ich reiste 3 Tage bevor die Vorbereitungstage an der Universität begannen an. So konnte ich noch die Stadt kennen lernen und mich ein wenig einleben. Ich flog mit dem Flugzeug nach Helsinki und von dort aus nahm ich den Nachzug nach Oulu. Wer ebenfalls mit dem Zug anreisen will, sollte beachten, dass es nicht möglich ist, die Studentenpreise zu nutzen, bevor man die Studentenkarte der Uni Oulu besitzt. Auch ein internationaler Studentenausweis nützt da nichts. Um sich zu Beginn zurecht zu finden, bekommt jeder Austauschstudent auch einen finnischen kummi-Studenten zugeteilt (kummi= Pate), der mich z.B. vom Bahnhof abholte und mir in den ersten Tagen sehr viel half. Die Einführungstage waren für mich auch sehr sinnvoll. Zum Einen wurde dort alles organisatorisch Wichtige erklärt und man konnte auch gleich alle Gebühren bezahlen und Formulare abstempeln lassen, ohne erst lange suchen zu müssen. Außerdem gab es gleich zu Anfang einen NISO-afternoon (NISO= Network of international students Oulu), bei dem ich viele Freunde kennenlernte, mit denen ich dann die weiteren 4 Monate viel zu tun hatte. Eine meiner Ängste vor dem Beginn des Auslandsaufenthaltes war, dass ich vielleicht einsam sein könnte. Aber NISO und ESN veranstalteten so viele Events, dass es wirklich leicht war, neue Bekanntschaften zu machen und sich gleich wohl zu fühlen. Eine ganz wichtige Sache in den Einführungstagen war zudem, dass man sich für das kummi-family-program bewerben konnte. Dieses Programm ist wirklich eine geniale Erfindung der Oulun Yliopisto. Man bekommt eine finnische Familie zugeteilt, die einem dann die finnische Kultur näher bringen kann. Viele Austauschstudenten haben dieses Programm genutzt und ich habe von keinem einzigen etwas Schlechtes darüber gehört. Alle waren von ihren Familien begeistert, obwohl manche sich nur 3 oder 4 Mal mit ihr getroffen haben. Ich habe meine kummi-Familie in dieser Zeit auch unglaublich lieb gewonnen und wir haben schon jetzt geplant, dass ich sie zu Mittsommer besuchen kommen werde und sie im Sommer eine Reise nach Deutschland unternehmen. In Finnland haben sie mir so viel gezeigt und so viel mit mir unternommen, dass ich mich frage, ob man in Deutschland wohl die gleiche Gastfreundschaft finden würde. Jeden Mittwoch haben wir zusammen gebacken und sie haben mich mit in ihre verschiedene „mökkis" genommen, wo sie mir die finnische Natur auf schönen Wanderungen gezeigt haben, mich mit finnische Speisen bekocht und mir auch die finnische Saunakultur noch näher gebracht haben: Jeder sollte sich wenigstens ein Mal mit Birkenzweigen geschlagen haben, bevor er Finnland verlässt! Auch zu einem Eishockeyspiel der Oulun Kärpät nahmen sie mich mit, einen Skiurlaub hatten sie schon geplant und 4 Mal war ich mit ihnen im Oulujoki baden, zum Schluss bei 0°C Wassertemperatur. So viele finnische Dinge hätte ich ohne diese Familie nie erlebt, deshalb empfehle ich jedem, an dem Programm teilzunehmen, es ist eine echte Bereicherung.Mein Studium in Oulu war ebenfalls interessant und vielseitig. Im September durfte ich 3 Mal zur Feldarbeit in verschiedene Nationalparks reisen, wodurch ich viel vom Land gesehen habe. Eine Reise ging in den Oulanka-Nationalpark, die anderen beiden in den näher bei Oulu gelegenen Syöte-Nationalpark. Ab Oktober habe ich dann 2 Monate lang im Labor gearbeitet und zum Schluss gab man mir auch genügend Zeit, meinen Bericht zu verfassen. Das Essen in der Mensa in Oulu ist sehr preisgünstig, reichhaltig und gut, sodass ich mit Freuden mittags dorthin ging, wo man auch immer jemand Bekanntes treffen konnte.

Was in Oulu auch sehr wichtig ist, sind Fahrräder. Eine Busfahrkarte kostet 3.30€, d.h. zur Uni und zurück 6.60€ pro Tag. Als Student kann man sich für rund 40€ im Monat ein Busticket anschaffen, doch mit einem Fahrrad ist man weitaus unabhängiger und muss sich nicht mit dem unverständlichen Fahrplansystem der Linienbusse herumschlagen (bis zum Ende habe ich große Probleme gehabt, die Busse zu nutzen und dann auch an der richtigen Stelle herauszukommen). Was auch zu beachten ist: ein Bus hält in Finnland nur, wenn man ihm auch winkt, bloßes An-der-Haltestelle-stehen-und-warten führt automatisch dazu, dass der Bus vorüberfährt. Fahrradfahren ist in Oulu theoretisch ganzjährig möglich, das bestätigen einem alle Finnen. Dennoch ist es im Winter fast dauerhaft sehr glatt. Ich bin dennoch fast immer Rad gefahren und die Strecke war wirklich herrlich, denn im Ouluer Stadtgebiet gibt es ab und an auch mal ein Stück Wald und viele Brücken über Flüsse und das Meer. So friedlich die Finnen auch in allen anderen Dingen sind, man sollte in Oulu sein Fahrrad immer mit vielen guten Schlössern sichern. Meines wurde mir nach einem Monat gestohlen und damit war ich ganz und gar nicht die Einzige.Wer nach Finnland kommt, das habe ich zu meiner Freude festgestellt, der ist meist an der wunderschönen finnischen Natur interessiert. Da ich die skandinavische Landschaft liebe, habe ich mir von Anfang an vorgenommen, viel wandern zu gehen, denn finnische Städte lohnen einen Besuch meist nicht. In Oulu traf ich auf viele Gleichgesinnte, sodass ich wirklich wunderschöne Ausflüge unternehmen konnte: Wandern auf dem Kleinen Bärenpfad (Pieni Karhunkieros), Hundeschlittenfahren in Lappland, Schneewandern in Riisitunturi und vieles mehr. Eine Reise nach Helsinki ist natürlich durchaus lohnenswert. Nordlichter schauen war ebenfalls eines der Wunder in meinem Auslandssemester in Oulu, den Joulupukki in Rovaniemi besuchen gehörte genauso dazu wie Snowmobil- und Skifahrenin in Ylläs. Dieses Auslandssemester war die erlebnisreichste Zeit meines bisherigen Lebens, ich habe tolle Menschen kennen gelernt, die mich verändert haben und auch viele neue Dinge über mich selbst herausgefunden. Das Härteste an diesem Auslandssemester war die Vorbereitung, bei der viele Dinge nicht so geklappt haben wie ich mir das vorgestellt habe. Doch der Aufwand hat sich gelohnt und zu entscheiden, was das Beste an der tollen Zeit war, ist mir leider nicht möglich. Oulu ist auf jeden Fall ein wunderbarer Ort für einen Erasmusaufenthalt, wobei mir natürlich die Vergleiche fehlen. Ich bin sehr froh, dass mich das Schicksal an diesen Ort geführt hat und bereue keine Sekunde, nicht in Schweden gewesen zu sein. Hier in Deutschland werde ich nun Finnisch weiter lernen anstatt Schwedisch.

Kontakt: Laura Degenkolb

Auslandsaufenthalt im 5. Semester des Bachelorstudiengangs in Oulu/Finnland im WS 2008/2009

Corinna Höhl

Vorbereitung

Mein Entschluss für ein Semester im Ausland zu studieren stand schon sehr zeitig fest, womit ich auch die Vorbereitungen dafür zeitig begonnen habe, was ich auch sehr empfehlen kann. Meine Bewerbung inkl. Motivationsschreiben, habe ich im „International Office" der FSU abgegeben. Die ganzen Formalien und die Organisation gingen reibungslos über die Bühne, so dass ich auch schon bald eine Koordinatorin in der entsprechenden Fakultät an der Universität von Oulu hatte, mit der ich schon vor meiner Anreise in Finnland in Kontakt stand, die auch stets für Fragen und Probleme zur Verfügung stand. Trotz dass ich der chemisch-geowissenschaftlichen Fakultät zugehörig war, lief mein Auslandssemester über die biologisch-phamazeutische Fakultät, ebenso auch in Oulu. Noch in Deutschland habe ich mein Learning Agreement erstellt, worin man die Kurse festlegt, welche man belegen wird. Diese müssen dann vom Prüfungsausschuss der zugehörigen Fakultät in Deutschland abgesegnet werden.

Vor dem Aufenthalt in Finnland sollte man sich gut überlegen, ob man noch eine Auslandskrankenversicherung abschließt. Die Universität von Oulu bietet zwar einen Gesundheitsdienst an, sobald man dort einen Studentenausweis hat, dieser deckt aber nicht alle Kosten ab. Mit der Annahmebestätigung der Uni bekommt man darüber aber noch genauere Informationen.

Weiterhin sollte man beachten, dass Oulu sehr weit im Norden von Finnland liegt. Findet das Auslandssemester im Winter statt, sollte man entsprechend warme Kleidung mitnehmen, dies auch schon im Oktober (also sich nicht erst im November die warme Winterjacke schicken lassen;)). Mitte Oktober kann schon der erste Schnee fallen, auch wenn es die zuvor noch sehr warm war. Der Wetterumschwung kommt in der Regel sehr plötzlich. Da die Winter jedoch sehr trocken sind, kommt es einem gar nicht so sehr kalt vor. Ich habe in deutschen Wintern oftmals mehr gefroren als in Finnland (genau genommen habe ich in Finnland gar nicht gefroren). Der Winter in Finnland macht auf jeden Fall sehr viel Spaß!

Anreise

Am Besten reist man mit dem Flugzeug an, entweder direkt nach Oulu, was jedoch wesentlich teurer ist, oder mit einem Stop in Helsinki. Ich bin von Berlin mit dem Flugzeug nach Helsinki geflogen und am nächsten Morgen mit dem Zug weiter gefahren. Das dauert zwar wesentlich länger, doch ich wollte bewusst diese Reise quer durch Finnland erleben. Da Oulu sehr weit im Norden liegt, dauerte die Zugfahrt von Helsinki nach Oulu auch noch einmal um die 6 Stunden. Für mich war diese Art der Anreise besonders schön, da ich mich somit noch einmal mehr auf Finnland und mein Auslandssemester einstellen konnte.

Unterkunft

Yliopistokatu - die Studentenwohnheime in Linnanmaa

In Oulu werden die meisten Austauschstudenten in Wohnheimen direkt neben der Uni untergebracht, im Stadtteil Linnanmaa. Die Vermittlung der Zimmer erfolgt über PSOAS (http://www.psoas.fi/en/). Man bewirbt sich ganz einfach online für ein Zimmer oder Appartement und PSOAS reserviert dann eins. Die Zusage für ein Zimmer kann jedoch sehr lange dauern, sogar auch bis kurz vor Abreise. An dieser Stelle sollte man viel Geduld zeigen und vertrauen, dass man in Oulu nicht auf der Straße steht. Bei der Anfrage für ein Zimmer hat man die Wahl zw. Einzel-und Doppelzimmer. Hier kann ich wirklich jedem nur raten, die paar Taler mehr für ein Einzelzimmer zu investieren. Ich habe schlechte Erfahrungen mit einem Doppelzimmer gemacht, da diese doch recht klein sind und man sich schnell auf den Keks geht. Ansonsten sind die Zimmer in allen Wohnheimen nett eingerichtet mit Standardmöbeln (Bett, kleiner Nachtschrank, Kleiderschrank, Schreibtisch, Stuhl) und kosten zw. 170 und 230 € im Monat; mit etwas Glück kommt man in einem Wohnheim unter mit einer Sauna unterm Dach.

Ein sehr großer Teil der Studenten ist in Linnanmaa untergebracht, einige auch in Alpilla, das liegt zw. Uni und Stadtzentrum. Das Leben in den Wohnheimen in Linnanmaa ist sehr schön, da die ganzen Austauschstudenten mehr oder weniger an einer Stelle sind. So kommt man mit vielen schnell in Kontakt und das Leben im nordischen Winter wird leichter. In Linnanmaa ist man in 5 Minuten zu Fuß an der Uni, in Alpilla mit dem Fahrrad in 10 Minuten. Das Stadtzentrum ist von Linnanmaa aus in 15 Minuten mit dem Rad zu erreichen. Also alles keine großen Entfernungen. Gleich bei den Studentenwohnheimen gibt es 3 Supermärkte und eine Studentenkneipe mit Billard.

Kummi

Es gibt vielleicht kein anderes Land, in dem alles so perfekt organisiert ist und in dem man es als Austauschstudent so einfach hat wie in Finnland. Noch während der Organisation und Vorbereitung in Deutschland bekommt man von der Uni in Oulu einen sogenannten „Kummi"-Studenten zugeteilt. Dieser soll den neu ankommenden Studenten helfen, sich zurecht zu finden und ihm/ihr den Einstieg in den Unialltag erleichtern. Man wird von den Kummi-Studenten regelrecht an die Hand genommen, da die meisten nur für 2 oder 3 Austauschstudenten verantwortlich sind. Ich wurde von meiner Kummi vom Bahnhof abgeholt, sie hatte die Schlüssel für das Wohnheim dabei und hat mich auch gleicht dort hin gebracht. Auch sonst sind die Kummis für jede Frage und Sorge offen.

Studium

Oulun Yliopisto - die Universität von Oulu

In der ersten Woche findet eine sogenannte 3-tägige „Orientation" statt, während dieser man unterschiedlichste Informationen (Uni, Stadt, Kultur, Wohnen, Essen, Freizeitveranstaltungen) erhält und ebenso die Gelegenheit hat, organisatorische Dinge (Mietvertrag mit PSOAS unterschreiben, Computer-Log in, Studentenausweis) zu erledigen.

Bei der Kurswahl ist zu berücksichtigen, ob die Kurse in Oulu auch an der chem.-geow. Fakultät in Jena anerkannt werden. Dies ist im Vorfeld mit dem Prüfungsausschuss zu klären. Mir fiel es etwas schwer, genügend geeignete Module in Richtung Biogeowissenschaften auf Englisch zu finden, die mir dann im ausreichendem Maße auch in Jena angerechnet werden konnten. So fehlten mir am Ende ca. 3 credits. Ich konnte die fehlenden Credits dann in Jena nachholen, womit sich das Studium zwar ein wenig verzögert hat, was aber die Auslandserfahrung allemal wert war. Aber dies ist individuell zu entscheiden. In Oulu konnte ich sehr verschiedene Kurse auf Englisch besuchen, die für den eigenen Wissensstand sehr wertvoll und bereichernd waren, so z.Bsp. Scandinavian Studies. Das Angebot an englisch-sprachigen Kursen ist in Finnland sehr groß und das Semester ist deutlich anders aufgebaut als in Deutschland. Es beginnt Anfang September und endet vor Weihnachten. Diese vier Monate sind in zwei Perioden geteilt, es handelt sich bei den Kursen mehr um Intensiv-Block-Kurse, alle qualitativ sehr hochwertig. Die Professoren sind den Austauschstudenten gegenüber sehr freundlich und kooperativ eingestellt. Ich habe zusätzlich noch einen Finnisch-Survival Kurs belegt, den ich nur sehr empfehlen kann, da er zum einen einen Einblick auch in die Kultur gibt und zum anderen auch einfache Basics für den Alltag in Finnland vermittelt. Finnisch ist jedoch eine sehr schwierige und komplexe Sprache, wofür man wesentlich mehr Zeit und Anstrengung braucht, als was ein Auslandssemester an Zeit mit sich bringt.

Freizeit und Kultur

Der ESN ist eine Vereinigung finnischer Studenten, die für die Austauschstudenten Ausflüge, Parties und Events jeglicher Art organisieren. An Langeweile wird man in Oulu auf jeden Fall nicht eingehen. Wenn man denn möchte, kann man in Oulu an jedem Wochenende an irgendetwas teilnehmen. Vom Gummistiefelweitwerfen bis hin zu „Ice-Hole-Swimming" und International Dinner Parties, es ist immer etwas los in Linnanmaa. Es werden sehr viele tolle Ausflüge in die wunderschöne Umgebung um Oulu angeboten und man kann, wenn man möchte, tief in die finnische Kultur eintauchen. Dies ist nicht zuletzt auch durch das „Kummi-Family"-Programm möglich. Dabei kann man sich für eine Familie anmelden, die im Optimalfall gut zu einem passt, mit der man dann ebenso Zeit verbringen kann. Eine nette Sache, wenn man Glück mit der Familie hat.

Der ESN plant auch sehr viele Städtetrips, z.Bsp. nach St. Petersburg, Lappland oder Stockholm. Diese sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ich bin sehr oft auf eigene Faust nach Stockholm gefahren, was von Turku aus mit der Fähre wunderbar klappt. Finnland ist ein großartiges Land zum Reisen, es gibt tolle Städte zu sehen und eine faszinierend schöne Landschaft. Man kann sich auch überall kleine Hütten mieten, mit mehreren Leuten zusammen ein großartiger Spaß. Das Zugreisen in Finnland ist auch recht erschwinglich, Sonderangebote für Studenten gibt es viele.

Fazit

Linnanmaa im Dezember

Mein Auslandssemester in Finnland war eine großartige Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe viele tolle Leute kennen gelernt, eine andere Kultur und konnte trotz der guten Organisation seitens der Uni mein eigenes Organisationstalent ausbauen und an Offenheit und Eigenständigkeit gewinnen. Die Finnen sind eine recht harte Nuss zum Knacken, aber man sollte auch nicht mit der Erwartung nach Finnland gehen, mit vielen Finnen tiefe Freundschaften zu knüpfen.

Viele fürchten sich vor der Dunkelheit, ich kann nur sagen, es war großartig! Eine einzigartige Erfahrung, magisch und faszinierend. Sicherlich wird es im Dezember vllt. nur noch max. 3 Stunden hell, aber es hat was sehr magisches. Und da von Anfang November an durchgehend Schnee liegt, wirkt alles doch wieder ein bisschen heller. Die Saunen an allen Ecken erleichtern die Dunkelheit abermals.
Ich kann auch nur noch sagen, reist so viel wie möglich! Nehmt so viel von Skandinavien mit wie ihr nur könnt. Es ist traumhaft dort:)!

 

Kontakt: Corinna Höhl